{Dies ist der 7. Teil einer Miniserie. Ich empfehle am Anfang zu beginnen und sich dann Post für Post nach vorne zu hangeln. Hier geht´s zum Nr. (1)- Post }
Nur auf den oberflächlichen Blick auf Kriegsfuss mit Gary S. Becker: Menschen treffen Entscheidungen auf Basis einer subjektiven, situationsabhängigen Nutzenbilanz, die nicht metrisch stabil und nicht objektiv vergleichbar ist. Das rationale Entscheiden des homo oeconomicus ist damit kein echtes „Rechnen“ im mathematischen Sinn, es gibt keine feste Skala, keine echte Verrechnung. Denn: Nutzen ist in realiter qualitativ, kontextabhängig und wird ad hoc konstruiert. Dabei kann das Gehirn unterschiedliche (potentielle positive oder negative) Nutzenstuftungen nicht sauber „verrechnen“, sondern lediglich eine stimmige Präferenz feststellen, Nutzen also quasi erst im Moment der Entscheidung bestimmen, man sogar sagen: „erzeugen“. Dadurch können identische Optionen zu anderen Zeitpunkten gänzlich anders bewertet werden, da es letztendlich keine stabilen Bewertungsansätze für Entscheidungsalternativen gibt. Denn wahrgenommener Nutzen ist subjektiv und situativ und damit widersprüchlich und inkonsistent, weshalb Menschen gleichzeitig etwas wollen und dagegen sein können und unterschiedliche Nutzenarten keine konstante Gewichtung besitzen. Das zeigt schon die individuelle Alltagserfahrung: Spaghettieis an einem Sommertag im Schatten ist etwas ganz anderes als bei -20 Grad Celsius im Freien.
Menschen betreiben also nie Nutzenmaximierung im klassischen ökonomischen Sinn, sondern bewerten Handlungsalternativen danach, ob sie sich richtig anfühlen, zur eigenen Identität passen, im Kontext Sinn ergeben, mit negativem Nutzen einhergehen und wählen (rational, da auf die eigenen Nutzenoptimierung geeicht) die Option mit dem aktuell höchsten Gesamtnutzen. Der innere Nutzomat des Menschen arbeit also nicht mit einem echten Rechenmodell, sondern ist ein Konstruktions-/ oder gar Produktionssmodell von Sinn und Präferenz. Für ihn gilt also nicht: Gehirn = Taschenrechner, sondern Gehirn = Anwalt für Auswahloptionen, die als die aktuell richtige Entscheidung wahrgenommen werden.
Dabei werden nicht nur unterschiedlichste Gesamtnutzen einer Handkungsoption, sondern auch die Gesamtnutzen aller alternativen Handlungsoptionen, also konkret aller alternativen Transaktionen mit der Welt vergleichbar gemacht, sondern auch die jeweiligen positiven und negativen wahrgenommenen Nutzen:
Gesamtnutzen (oder ab jetzt besser: Transaktionswert) = (Nutzen₁ × Gewicht₁) + (Nutzen₂ × Gewicht₂) …