Der lange Weg zum Nutzomaten (8) – Die Kernfrage und was aus der Antwort folgt

{Dies ist der 8. Teil einer Miniserie. Ich empfehle am Anfang zu beginnen und sich dann Post für Post nach vorne zu hangeln. Hier geht´s zum Nr. (1)- Post }

Das ist die Kernfrage, wenn der Nutzomat tatsächlich als funktionsfähiges Modell nachgebaut werden soll: Wie übersetze ich das Nutzomat-Verständnis in ein System, das für eine konkrete Person in einer konkreten Situation einen individuellen Transaktionswert modelliert? Das Modell (am besten gleich in Form einer App) darf dabei nicht so gebaut sein, als gäbe es einen objektiven Nutzenwert eines Produkts, klar. Es muss stattdessen subjektive, situative, mehrdimensionale Nutzenkalküle erfassen und sie gewichten und letztendlich vergleichbar machen lassen. D.h. die App soll für eine Person P, in einer Situation S, für eine Handlungsalternative A

  • den erwarteten Ergebnisnutzen
  • den erwarteten Prozessnutzen
  • den erwarteten Persönlichkeitsnutzen
  • den erwarteten Prosumtionsnutzen
  • sowie Input- und Transaktions-, Persönlichkeits- und Prosumtionskosten

so erfassen, dass daraus ein individueller, situationsbezogener Vergleichswert . hier der Transktionswert, entsteht. Und das nicht nur einmal, sondern für alle aktuell relevanten und in konkurrenz stehenden Transaktionswerte. Das Produktziel der App ist also: Subjektive Transaktionswerte sichtbar und vergleichbar machen lassen.

So weit, so gut. Die KI sagt nun:  Das Minimalmodell, das in Software übersetzt werden musst, sollte diese Struktur haben:

  • User
  • Situation
  • Alternative
  • Nutzenprofil
  • Kostenprofil
  • Vergleichsergebnis
  • Lernhistorie

Und als Kernlogik wäre wichtig: berechne für jede Alternative: Transaktionswert = Gesamtnutzen – Gesamtkosten, wobei Gesamtnutzen = Nutzen aus Ergebnis + Prozess + Persönlichkeit + Prosumtion – Kosten aus Input – Transaktion – Prosumtion – Persönlichkeit. Wobei diese Größen nicht statisch sind, sondern  von User und Situation ab. Also in App-Logik eher: TV(user, situation, alternative) statt bloß: TV(alternative). Also muss zwingend zur Modellierung definiert werden,

A. was genau eine „Alternative“ ist.
Zum Beispiel:

  • Kauf eines Produkts
  • Wahl zwischen zwei Marken
  • Entscheidung für einen Lebensstil
  • Nutzung einer Funktion in einer App
  • Teilnahme an einer Community
  • Durchführung einer Handlung
  • etc.

B. Was genau eine „Situation“ ist.
Mindestens:

  • Zeitpunkt
  • Kontext
  • soziales Umfeld
  • Zielzustand
  • Dringlichkeit
  • Stimmung
  • verfügbare Ressourcen
  • Unsicherheit
  • etc.

C. was genau eine „Person“ beschreibt.
Mindestens:

  • Präferenzmuster
  • relevante Lebensziele
  • Identitätsanker
  • Risikoaffinität
  • Zeithorizont
  • Relevanz von sozialer Anerkennung
  • Erfahrung/Vorwissen
  • aktuelle Bedürfnisse

D. wie die vier Nutzenarten operationalisiert werden (hier liegt die eigentliche Produktarbeit: Es muss jede Nutzenart so übersetzen werden, dass ein Nutzer sie beantworten kann und das System damit rechnen kann.)

D1. wie hoch der Ergebnisnutzen ist
Frage nicht abstrakt „Wie nützlich ist das?“
Frage konkret:

  • Welches gewünschte Ergebnis erwartest du?
  • Wie stark hilft dir diese Option dabei?
  • Wie sicher tritt das Ergebnis ein?
  • Wie wichtig ist dieses Ergebnis gerade?

Also pro Ergebnisnutzen mindestens:

  • Erwartungsstärke
  • Eintrittswahrscheinlichkeit
  • aktuelle Relevanz

D2. wie hoch der Prozessnutzen ist

  • Wie angenehm ist die Durchführung?
  • Wie anstrengend ist sie?
  • Wie fair, einfach, spannend, ästhetisch oder frustrierend ist der Prozess?
  • Passt die Art des Ablaufs zu dir?

Wichtig: Prozessnutzen ist nicht bloß UX. Auch ein Kaufprozess, Lernprozess oder sozialer Interaktionsprozess kann hier bewertet werden.

D3. wie hoch der Persönlichkeitsnutzen ist
(Das ist deutlich schwieriger, weil viele Nutzer das nicht direkt benennen.
z.B.

  • Passt diese Option zu dem Menschen, der du sein willst?
  • Unterstützt sie dein Selbstbild?
  • Erhöht sie dein Gefühl von Kompetenz, Autonomie, Anerkennung oder Zugehörigkeit?
  • Würdest du dich mit dieser Entscheidung „richtiger“ fühlen?

Empfehlung: Keine Einzelabfrage nur mit Freitext, sondern standardisierte Skalen plus optionale Erläuterung.

D4.  Wie hoch der Prosuktionsnutzen ist
> Zukunftswert!
z.B.

  • Was baust du durch diese Option auf, das dir später wieder hilft?
  • Lernst du etwas?
  • Erwirbst du Reputation, Routine, Kontakte, Fähigkeiten, Daten, Reichweite oder Zugang, die dir später helfen?
  • Senkt diese Option zukünftige Kosten oder erhöht sie zukünftige Chancen?

D5.  wie hoch die Inputkosten sind

  • Geld
  • Zeit
  • Energie
  • Aufmerksamkeit
  • Verzicht auf Alternativen

D6. wie hoch die Transaktionskosten sind
z.B.

  • Suchaufwand
  • Unsicherheit
  • Vergleichsaufwand
  • Komplexität
  • Risiko
  • Koordinationsaufwand
  • sozialer Rechtfertigungsdruck
  • mentale Reibung

D7. wie hoch die Prosumtionskosten sind
z.B.

  • Was baust du durch diese Option auf, das dich später behindert?
  • Lernst du etwas Falsches?
  • Verlierst du Reputation, Routine, Kontakte, Fähigkeiten, Daten, Reichweite oder Zugang, was dir später schadet?
  • Erhöht diese Option zukünftige Kosten oder reduziert sie zukünftige Chancen?

D8. Wwie hoch die Persönlichkeitskosten sind
z.B.

  • bringt dich diese Option weg von dem Menschen, der du sein willst?
  • Unterminiert sie dein Selbstbild?
  • Reduziert sie dein Gefühl von Kompetenz, Autonomie, Anerkennung oder Zugehörigkeit?
  • Würdest du dich mit dieser Entscheidung „falscher“ fühlen?

Und dann muss die Rechenlogig definiert werden. Baue ein mehrstufiges Modell, sagt die KI

Stufe 1: Rohwerte erfassen
Jede Dimension bekommt mehrere Items, z. B. auf 1–7 oder 0–100.

Stufe 2: Personenspezifisch gewichten
Nicht jeder Nutzer gewichtet gleich.
-> Gewichtungsprofile

Stufe 3: Situativ modulieren
Das gleiche Gewicht gilt nicht in jeder Lage (z.B. unter Zeitdruck steigt Relevanz von Einfachheit, in Statussituationen steigt Relevanz von Persönlichkeits-/Sozialkomponente, bei knappen Ressourcen steigt Kostenaversion) -> Situative Modifikatoren.

Stufe 4: Unsicherheit berücksichtigen
Erwarteter Nutzen ist nicht identisch mit sicherem Nutzen.
Deshalb sollte jede Bewertung mindestens enthalten:

  • Stärke
  • Sicherheit
  • Wichtigkeit

Ein praktisches Rechenmodell wäre also:
Beitrag einer Dimension = Intensität × subjektive Wahrscheinlichkeit × aktuelle Relevanz × persönliches Gewicht × Situationsfaktor
Dann aggregierst du die Beiträge.