Wenn es um strategische Entscheidungen geht, dann dauert es nie lange, bis jemand das oder Ähnliches ausspricht: “Aber werden wir den Mut haben, das durchzuziehen? Haben wir die Selbstsicherheit zahlenden Kunden zu zeigen, dass wir für Sie nicht mehr die richtige Wahl sind?“ Und dann erst zeigt sich, was hinter den Führungsbemühungen wirklich steht – unternehmerisches Kalkül oder Spiegelfechterei (oder in seltenen Fällen: Mismanagement)? Sicher: es ist allen klar, dass der, der es allen recht machen will, breiter aufgestellt, weniger customerisiert und damit kostenintensiver agieren muss. Aber die eigentlich logischen Konsequenzen daraus in die Realität umzusetzen ist regelmäßig problematisch; „Nein“ zu Umsatzmöglichkeiten, zu Beharrungsdruck, zur Comfort Zone zu sagen fast unmöglich. Doch Differenzierung ist zunehmend alternativlos und geht Hand in Hand mit Fokussierung und klarer Positionierung und die braucht eindeutiges Commitment und Konsequenz. Und so müssen zukunftfahige Unternehmen David Maister zuhören und das beherzigen:“Strategy is not about understanding something – or planning to get around to it – it´s about having the courage to make it happen“, aber “if you don´t have the courage, you will never achieve a differentiated strategy.“

Vorher will und soll aber gründlich nachgedacht sein, denn das intensive und bestenfalls vorerst abschließende Nachdenken darüber, wo man überhaupt hin will und im Zuge dessen wer man ist und wer man sein möchte, ist notwendig, um den für strategische Festlegungen und darauf aufbauende Prozesse notwendigen Mut aufbringen zu können. „Strategie fordert Identität und Identitäten. Nur das führt zum Ziel. Strategie ist eine Art Selbstfindeungsprozess, ein (…) schöpferischer Prozess, bei dem Fähigkeiten wie Intuition, Charisma und Überzeugungskraft entscheidend sind“ (aus Brandeins Printausgabe). Nur so führt der Mut nicht in die Gefahr, sondern ermächtigt zum selbstständigen Denken, zum agilen Problemlösen, zu gemeinsamem Handeln, das einer gemeinsamen Logik folgt. Denn mit ihr weiss jeder, was warum wann wie zu tun ist und wo die Grenzen des eigenen Tuns sind. Strategie-Papst Hinterhuber:“Eine gute Strategie fördert (…) die Selbstverantwortung (…) – die Fähigkeit, etwas eigenständig voranzubringen“ (auch aus dem genannten Brandeins-Text) und dazu gehört auch, entscheiden zu können, was nicht zu tun ist.

Zu erkennen, dass Strategisches Denken damit wenig bis nichts mit strategischer Planung zu tun hat, ist wichtig zu beherzigen und m.E. entscheidend für ihren Erfolg. Nicht Planwirtschaft, sondern Musterbildung, um dem Unvorhersagbaren zielorientiert gegenübertreten zu können, ist der Kern und der Sinn der Beschäftigung mit Strategie. Das ist die Idee hinter Idee des agilen Wirtschaftens und die richtige Antwort auf die allgemeine Ausgesetztheit gegenüber der Unsicherheit der Postmoderne.