Die Privatsphäre ist in Gefahr! Sie wird „(…) nicht nur von der Digitalisierung bedrängt, sondern auch vom Staat selbst,“ sagt z.B. die NZZ. Und im Grunde denken wir das im Moment alle so entrüstet, so dass sich Aphabet und Facebook und Datenschützer und Stammtische gleichermaßen an Sofortmaßnahmen und darüber hinausgehenden Forderungen und Versprechen überbieten.

Aber mal ehrlich: sind es wirklich mal wieder „die da oben“, die Digitalisierung, die Regierung, also unangreifbare Andere, die Schuld an der allgemeinen ubiquitären Bigbrotherisierung haben? Natürlich nicht. Haben sie fast nie. Denn meist sind es wir Menschen und die durch uns geprägten Gesellschaften, die die allgemeinen Zustände wenn auch nicht konkret gestaltet, so aber doch begünstigt und ermöglicht haben. So auch heute, wo wir alle nach Lust und Laune von Cambridge Analytics und Konsorten ausgespäht, microgetargetet, manipuliert werden – weil wir es zugelassen haben. Weil wir es einfach wollten, weil wir das WWW auf Facebook begrenzt und auf Tweets und Snaps und Instagramsstories reduziert haben, weil wir alles an einem Ort, auf uns zugeschnitten, sofort geliefert, in der Filterblase haben wollten.

Dass Facebook und all die anderen Online Marketing Rockstars das ausgenutzt haben kann man gut oder schlecht finden. Wirklich vorwerfen kann man es ihnen nicht. Denn verboten hat ihnen keiner, die Gutgläubigkeit und Naivität von uns allen auszunutzen, denn der Internetzentrismus hat nicht nur die Wirtschaftsseiten und das Feuilleton und (in Form der Internetweltmeister-CSU-Bär) die Politik als Allheilmittel und omniwirkungsvolle Rechtfertigung durchzogen, sondern ist geradezu zum Common Sense geworden. Aber dass ihnen grade der Arsch auf Grundeis geht, muss einem nicht wirklich leid tun. Mehr noch: statt dessen wäre gerade jetzt der ideale Zeitpunkt, besser: das Window of Opprtunity, nicht die lahmen, feigenblattmässigen Bemühungen der großen Plattformen zu diskutieren, sondern Alternativen, besser: DIE Alternative, besser: das Web an sich, also das Social Web 2.0 zu entwickeln.

Hier (m)ein Versuch: Distributed Private Brand Sharing:

Um zu klären, um was es sich dabei handelt hier ein schneller Blick in das, was Distributed Brand Sharing für Unternehmen bedeutet:

„(…) die aktive Vernetzung mit einer möglichst grossen Anzahl an Mikro-Netzwerken (…), um im direkten Kontakt regelmässig Aufmerksamkeitsvorteile zu generieren. Diese Vernetzung durch aktives Auftreten muss jedoch den Prinzipien des modernen Evernet-Marktes entsprechen und durch (1) glaubhafte, wahrhaftige Teilnahme und Aktivitäten am und im Mikro-Netzwerk, durch (2) glaubhafte, wahrhaftige Aufnahme von Partnerschaften, von Beziehungen zu den Netz-werk-Gefügen, in die Mikro-Netzwerke eingebunden sind und/oder durch (3) glaubhaftes, wahrhaftiges Sponsoring, Partnering, Underwriting oder Affiliating ausgewählter Mikro-Medien, kurz gesagt durch glaubhaftes, wahrhaftiges Brand-Share-Distributing, innerhalb des Evernets erfolgen.“ (Quelle)

Analog dazu hat auch das Distributed Private Brand Sharing zum Ziel, den Einzelnen in die Lage zu versetzen, sich aktiv mit einer gewünschten Zahl von Mikro- und/oder Makronetzwerken zu verbinden. Und zwar überall, wo diese Vernetzung möglich ist – über Messenger, auf Boards, in geschlossenen Gruppen, auf SoMe-Plattformen, auf Webseiten, per Email(-Newsletter), in Newsgroups, mit Landeseiten, per Werbenaziegne, also überall, wo 1:1(:many)-Verbindungen über das www möglich sind – aber OHNE die Hoheit über die eigenen Daten und Inhalte zu verlieren. Die Techniken und Anwendungen dafür gibt es schon, man muss sie m.E. nur zusammenführen und standardisieren: zu einem einzigen Social Media Management- und Content Distribution- & Seeding-Netzwerk über das verschlüsselt Peers sich mit Ihren Peers wo auch immer sie wollen austauschen können, ohne ihre eigene HomeBase verlassen zu müssen. Und zwar so:

Jeder Inhalt kann von einer privaten Homebase verschlüsselt in beliebiger Menge in Content-Slots unterschiedlicher Medien und Netzwerke platziert werden. Der jeweils ausgespielte Content passt sich dabei in Optik, Form und Struktur an das Distributionsziel an und wird mit einer eigenen URL ausgespielt. Er ist somit in sozialen Netzwerken und sonstwo teilbar und kann auf jedem Device angezeigt werden. Sämtliche Inhalte werden in Echtzeit auf Performance überwacht und automatisch optimiert. Gleiches gilt für Reaktionen jeglicher Art auf den ausgespielten Content. Sie werden zur Homebase des Publishers zurückgespielt und werden von dort aus gemanaget.

Nun ja, ich denke, dass das Ende der großen Aufmerksamkeitsaggregatoren im Web noch nicht direkt bevorsteht; weder Medien, noch Plattformen werden einfach so verschwinden. Müssen sie auch nicht. Wenn Sie die richtigen Schlüsse ziehen und das Private Publishing ermöglichen. Entweder mit eigenen Entwicklungen oder durch passende Schnittstellenschaffung für Drittanbieter (Hootsuite, Scompler, Seeding Alliance, Outbrain, WordPress, etc.). Ansonsten: geht das mit dem Bedeutungsverlust dann aber doch recht schnell. AOL und Myspace lässen grüßen..