{Heute: mal wieder etwas Alltägliches wäre gut, oder? Wie wäre es mit „Trinkgeld geben“? Auf den ersten Blick nicht sonderlich spannend. Aber wenn man es so oder anders begründet, dann ist die Entscheidung mehr als trivial:}

„Also, lecker war’s. Doch dafür – finde ich – muss man kein Trinkgeld geben, das bezahle ich mit dem Preis des Gerichts. Andererseits wäre die zusätzliche Entlohnung sowas wie eine Bekräftigung meines Genusses, würde mich zusätzliche Befriedigung (also sowas wie Prozessnutzen) stiften. Und zwar auch, wenn der Prozess an sich eher unsinnlich ist und wenige positive Effekte hat. Geld abzählen, hinlegen, „Stimmt so“ sagen. Ende. Naja fast, denn das Trinkgeld wechselt den Besitzer und macht den Beschenkten reicher und mich ärmer. Klarer Minuspunkt.

Und trotzdem gebe ich den anerkennenden Tip. Muss mit dem Persönlichkeits– und Prosumtionsnutzen zusammenhängen: erstens hoffe ich, dass ich durch das Trinkgeldgeben meinen Ruf als spendabel festigen kann, denn das ist mit einer gewissen Reputation verbunden oder senkt zumindest die Gefahr, als „Kniesbüggel“ bezeichnet zu werden. Was wieder die Chance steigert, auch zukünftig in die gesellige Runde eingeladen zu werden und dann selber Nutznießer von ausgegebenen Runden werden zu können. Ich fühle mich auch besser, wenn ich als großzügig wahrgenommen werden, steigert ein wenjg mein Selbstwertgefühl und erhält in mir die Hoffnung – sollte ich selbst nochmal in die Zwangslage geraten, andere Menschen bedienen zu müssen–, auch Empfänger von Trinkgeld werden zu können. Ist also sogar sowas, wie eine Investition in die Zukunft.

Darum: Ja, ich gebe heute Trinkgeld. nur: wieviel? Aber das ist eine Wissenschaft für sich und eine Thema für sich…“

{So entscheiden Menschen: Sie wägen (mal kognitiv, mal intuitiv, mal beides zusammen) tatsächliche und potentielle positive und negative Folgen von Alternativen gegeneinander ab und wählen diejenige, die den höchsten Summanden verspricht. Dabei werden Ergebnis–, Prozess–, Persönlichkeits– und Prosumtionsnutzen addiert und gegen finanziellen Aufwand und andere Ergebnis–,Prozess–, Persönlichkeits– und Prosumtionskosten aufgerechnet. Ob bewusst oder unbewusst, ratio– oder emotional, gezwungen oder frei: der so festgestellte Transaktionswert wird dem Transaktionswert von Entscheidungsalternativen gegenübergestellt. Die Ausdifferenzierung der verschiedenen Möglichkeiten ist handlungsleitend. Vor diesem Hintergrund verspricht es, zumindest unterhaltsam zu sein, Entscheidungen der aktuellen Weltgeschichte nachzuvollziehen.}