London answering

Dem Nutzomat liegt ein einfaches Raster zu Grunde, das jeder Nutzer zu
seinem persönlichen Denk- und Handlungsrahmen machen kann. Er ist in
unterschiedliche Nutzen- und Kostendimensionen aufgeteilt und ermöglicht es, diese
– individuell verfeinert und im konkreten Fall bestenfalls
situationsspezifisch und subjektiv in positive und negative Folgen aufgefächert – zur
Bewertung von Optionen systematisch zu bewerten und ausdrücklich einander
gegenüberzustellen. Auf diese Weiße wird dem User dann im Idealfall
offensichtlich welchen Gesamtnutzen ihm welche Handlungsoption bietet und welche
verfolgt werden sollte. Voraussetzung ist allerdings, dass der Einzelne die
Bedienung beherrscht. Und damit ist nicht nur das abschließende Abwägen
gemeint, sondern unbedingt auch das Feststellen der möglichen Individuellen
Nutzen und Kosten und des eigen Wollen und Nicht-Wollens.

Das Gros der Menschen wird Anleitung und Ausbildung benötigen, um den
Nutzomaten programmieren und anwenden zu können. Denn die notwendige
Motivation, Objektivität, Zähigkeit, Demut, Selbstironie und das entscheidende
Selbstbewusstsein muss wachsen,  unterstützt und gestärkt werden, reifen.
Aber wie?

Lasst mich spinnen: Ich sehe Multimediavorträge, Selbst-Marketing-Clubs,
Kampfsport- und Visions-Seminare, geschlossene Communities, eine kleine
Modelinie. Für 17jährige Migranten, 23jährige Bürokauffrauen,
werbefachleute. Ich stelle mir vor, dass das geht: Motivation und Leitung zur
Selbstannäherung, zur Entwicklung von Stärke und Demut gleichzeitig, zur Stärkung
des eigenen Urteils. Für den Einzelnen, aber auch für die Allgemeinheit.
Nicht um die Moral der Gesellschaft zu „reinigen“ (viel Glück, Herr
Cameron), sondern um mehr Liebe zu ermöglichen; für sich selbst und für die
andere. Obwohl: Wirkung auf eine Gesellschaft würde das schon haben, oder?

Sehr naiv, was? Ja. Sicher. Vor allen Dingen da ich der Letzte bin, der
hier den Lehrer spielen könnte. Ich und klare Selbsterkenntnis, tiefe Demut,
erwachsene Objektivität? Hahaha…

Aber vielleicht geht das in der Gruppe? Der Schwarm soll doch so
intelligent sein? Viele Teile zusammenfügen unter einer Vision, das könnte
vielleicht gehen.

Na, ein Mann sollte immer viele Pläne haben hat Armin Müller-Stahl mal
gesagt. Zumindest das klappt ja schon mal. Und wenn der Nutzomat steht, dann
fehlt es wenigstens nicht an Zielen…