Einslive „deckte“ kürzlich auf: die Influencerwelt ist voller Fakes und leerer Versprechen und geht der Mehrheit eh nur noch auf den Geist. Und belegt damit sehr anschaulich, was zum einen so ärmlich sein kann, dass es schon wieder so lustig ist, dass eine Webseite wie diese hier sich zu einem richtigen Hit entwickelt:

Und was zum anderen so zutiefst menschlich und so idealtypisch postmodern ist, dass es da eigentlich wenig überrascht zu tun uns/ oder zu lamentieren, sondern nur etwas schulterzuzucken gibt. Denn so ist es nun mal, das postmoderne Sein, in dem die knappste Ressource und das begehrteste Einkommen, die humane psychische Energie ist: die Aufmerksamkeit, die als Währung dient und von denen, auf die sie sich konzentriert, leicht in ökonomischen Erfolg überführt werden kann. Das hat schon vor mehr als 20 Jahren Goldhaber sehr gut hier beschrieben. Und wo Chancen sind, gibt es eben nun mal die, die diese mal verdient, mal unverdient oder sogar illegal ausnutzen wollen. Deshalb aber das Ender der Influencer zu prognostizieren wäre dumm, denn Stars gab es immer und wird es immer geben.

Im Wettbewerb um Aufmerksamkeit in Form von Beachtung, Wertschätzung, Zuwendung, etc. wird nämlich – sobald  mit einer gewissen Selektion oder Oberflächlichkeit der Wahrnehmung bei Botschaftsadressaten zu rechnen ist – die gezielte Attraktion zum verpflichtenden Geschäft bei ihrer Allokation (lest Georg Frank, liebe Leute!!!!), da Aufmerksamkeit nicht nur knapp als selbstaufzubringende, selektierende Energie, sondern auch als „Verdienst“ begehrt ist. Sie wird begehrt als Reaktion auf zunehmende Aufmerksamkeits-Knappheit; sie wird es aber auch als Folge des menschlichen Grundbedürfnisses nach Selbstwertmaximierung. Da der individuelle Selbstwert immer auch abhängig von fremder Wertschätzung ist, lässt die bewusste Sorge um ihn im täglichen Umgang mit Menschen und Ereignissen und Objekten das Geben und Nehmen von Aufmerksamkeit „… als Spiel betreiben, in dem wir eigene Aufmerksamkeit einsetzen, um an die Erträge anderer zu kommen. Sie macht den Tausch zu einem Spiel aus Angebot und Nachfrage.“ (habe ich schon gesagt, dass Ihr Georg Frank (von dem dieses Zitat stammt) lesen sollt?) In diesen Austauschprozessen von Aufmerksamkeit kann sie „eingenommen werden“, indem man als Kommunikator auftritt (direkte Aufmerksamkeit), Gegenstand der Kommunikation Dritter wird (indirekte Aufmerksamkeit) oder sie in den Pseudoformen gegenseitiger Beachtung „illusorische Aufmerksamkeit“ (oh ja, Goldhaber, habe ich den schon erwähnt, ja, oder?) erhält. Und wer die Aufmerksamkeit einmal hat, kann – solange er sie hat und halten kann – ihre dritte, ihre Währungsfunktion nutzen und sie in andere Währungseinheiten (Geld, Werbeverträge, mehr Aufmerksamkeit und fast alles andere) umwandeln.

Darum: ob als C-Promi, Moderblogger, Sexy-Instagramer oder sonstwie – wer Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann, hat gewonnen. Sogar, wenn er nur die Aufmerksamkeit von Werbetreibenden gewinnen und sie davon überzeugen kann, dass er die Aufmerksamkeit von Dritten hat (auch wenn er sie nicht hat) kann reüssieren. Wie lange er das kann, steht auf einem anderen Blatt. Das ist und bleibt so. Und Du machst ja auch nix anderes, liebes 1Live, wenn Du mit Deiner „Untersuchung“ Interesse schaffst, Aufmerksamkeit einsammelst und letztendlich in Quoten und ggf. Werbegelder umzuwandeln versuchst, oder?